Übergabe von 60.000 einzeln unterschriebenen Resolutionen für die Straßentiere der Europäischen Union
Ein gemeinsam verfasstes Anschreiben von Der Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., Europäische Tier- und Naturschutz e.V., Tasso e.V., VIER PFOTEN Stiftung für Tierschutz an Frau Androula Vassiliou – Gesundheitsbeauftragte der EU-Kommission – B-1049 Brüssel zum Thema “EU-Tiergesundheitsstrategie” vom 21.04.2009
Frau Androula Vassiliou
Gesundheitsbeauftragte
der EU-Kommission
B-1049 Brüssel
21. April 2009
Impfung und Geburtenkontrolle sind besser als Tötung
Übergabe von 60.000 einzeln unterschriebenen Resolutionen für die Straßentiere der Europäischen Union
Sehr geehrte Frau Vassiliou,
Sehr geehrter Herr Tod,
zunächst einmal möchten wir Ihnen dafür danken, dass wir die Möglichkeit erhielten, der Europäischen Kommission auf persönlichem Wege ungefähr 60.000 unterzeichnete Resolutionen europäischer Bürger aus nahezu allen EU-Mitgliedsstaaten überreichen zu dürfen, mit denen die EU aufgefordert wird, das Leid der Straßentiere zu beenden und Verantwortung für diese Tiere zu übernehmen. Die Tatsache, dass wir weiterhin täglich neue unterzeichnete Resolutionen erhalten beweist, dass das Leid der vergessenen Straßentiere in ganz Europa bei den Bürgern der EU auf außergewöhnlich großes, ernstzunehmendes Engagement stößt.
Wer wir sind und wen wir repräsentieren
Unsere vier Tierschutzorganisationen vertreten gemeinsam die Wünsche und Anliegen von mehr als einer halben Million europäischer Bürger. Zunächst möchten wir unsere Organisationen und deren unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte kurz vorstellen, so dass Sie einen Eindruck unserer kooperativen und konstruktiven Arbeitsweise erhalten:
Der Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V. ist eine der führenden Tierschutzorganisationen in Deutschland, führt in Rumänien Kastrationsprojekte bei Straßenhunden durch, arbeitet auch auf politischer Ebene an diesem Thema und rief die jetzige Resolution für die Straßentiere der Europäischen Union im Januar 2008 ins Leben.
Der Europäische Tier- und Naturschutz e.V. ist eine Tierschutzorganisation mit Sitz in Deutschland und arbeitet gemeinsam mit ihren Partnern in vielen europäischen Mitgliedsstaaten an Projekten zur Bekämpfung des Elends von Straßentieren.
Tasso e.V. ist eine Tierschutzorganisation mit einem Haustierregister, hat mehr als 2,5 Millionen Mitglieder und führt in ihren Dateien 4,5 Millionen in Deutschland registrierte Tiere. Tasso e.V. unterstützt nun in Rumänien und anderen EU-Mitgliedsstaaten die Entwicklung von Registrierungssystemen sowohl für Haus- als auch für Straßentiere.
Die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz mit Sitz in Wien hat Niederlassungen in insgesamt acht Ländern, – sieben von ihnen in europäischen Mitgliedsstaaten sowie einer europäischen Dienststelle in Brüssel. Vier Pfoten Stiftung für Tierschutz arbeitet in vielen EU-Mitgliedsländern an Projekten für Straßentiere sowie auf politischer Ebene in Brüssel. So organisierte man beispielsweise im Oktober 2008 (zusammen mit dem Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.) in Brüssel einen parlamentarischen Abend als auch eine Konferenz zu diesem Thema.
Was wir fordern:
Ein Ende des Leidens der Straßentiere innerhalb der europäischen Union durch Unterstützung der jeweiligen Mitgliedsstaaten bei einem systematischen und wissenschaftlich fundierten Ansatz sowie praktischer Hilfe zur Geburtenkontrolle und anderer nachhaltiger Maßnahmen zur Linderung des Tierleids.
Hiermit fordern wir die Europäische Union wiederholt und dringlich dazu auf, eine europaweite Lösung für das zunehmende Problem der Straßentiere, insbesondere auf den Straßen in Süd- und Südosteuropa zu erarbeiten und die rechtliche Verantwortung für diese Lebewesen zu übernehmen.
Fakten und die aktuelle Situation in Süd- und Südosteuropa
Grund für unsere ernste und dringende Forderung der von uns vertretenen und vom europäischen Parlament unterstützten europäischen Bürger ist, die anhaltende Grausamkeit gegenüber diesen hilflosen Tieren, die auf sehr brutale Art und Weise eingefangen und getötet werden, zu beenden. Hunde werden erschossen, stranguliert oder zu Tode geprügelt, manchmal sogar in aller Öffentlichkeit. In einigen der sogenannten Tierasyle existiert ein gut entwickelter Schwarzmarkt, da Tiere zwar für Geld eingesammelt, dann aber nicht versorgt werden. Hunde und Katzen müssen auf grausame Art und Weise sterben, erhalten weder Futter noch Wasser. In einigen Asylen oder Institutionen werden Hunde und Katzen mit den billigsten Giften getötet, so dass sie stunden- oder gar tagelang mit dem Tod ringen, ehe sie schließlich sterben. Es gibt unzählige Vorkommnisse dieser Art, die vielfach nachweisbar und belegt sind; aber das wissen Sie sicherlich auch. Bitte beachten Sie weiterhin, dass es sich bei den Beweismaterialien um Dokumente und Filme handelt, die tägliche Grausamkeiten belegen; – Grausamkeiten an Mitgeschöpfen, die untragbar sind und in den Straßen und Hinterhöfen europäischer Mitgliedsstaaten weder passieren dürfen noch ignoriert werden können.
Unsere Argumente
Straßentiere sind verwilderte Haustiere (meist aufgrund dessen, dass sie ausgesetzt wurden) und fallen daher in den Zuständigkeitsbereich der Community Animal Health Strategy daher muss die rechtliche Kompetenz der Europäischen Union bedacht und eingefordert werden.
Die Lösung für diese Tiere ist die Einführung von Strategien im Rahmen der “Community Animal Health Strategy Prävention ist besser als heilen“. Wir begrüßen diese Schlagzeile, die ursprünglich für Nutztiere kreiert wurde, da Millionen gesunder Tiere aus Angst vor Epidemien vorsorglich gekeult wurden. Für die europäischen Bürger war dies ein Schock, und seither beobachten diese Menschen die ethischen Gesichtspunkte der Tierhaltung und der Nahrungsmittelproduktion sehr viel genauer. Der Ansatz der Health Strategy der EU führt auch zu einer strikten Durchsetzung von Bestimmungen für gesunde Straßentiere, die als verwilderte Haustiere ebenfalls brutal getötet werden. Haustiere wie Hunde und Katzen wurden vor über 3.000 Jahren domestiziert und werden in der Community Animal Health Strategy explizit erwähnt. Daher muss es hier im Kontext der Straßentierpopulation auch heißen Impfung und Geburtenkontrolle sind besser als Tötung. Das Europäische Parlament hat dies dann auch in seiner offiziellen Entscheidung vom Juni 2008 in den Abänderungen Nr. 16 und 20 entsprechend korrigiert.
Wir benötigen auch für Haustiere eine entsprechende Regelung, da immer mehr Menschen mit ihren Haustieren innerhalb der Europäischen Union umziehen. Ein weiteres Argument ist der Klimawandel, der uns, auch in Bezug auf die Straßentiere, unweigerlich neue geographische Zoonoserisiken bescheren wird, so zum Beispiel die Leishmaniose.
1. Das Töten von Straentieren ist keine nachhaltige Lösung
Es ist durch entsprechende Statistiken sowie wissenschaftlich fundierte Untersuchungen der WHO und einiger anderer Institutionen bewiesen, dass das Töten von Straßentieren keine nachhaltige Lösung ist, da sich der Tierbestand eines Habitats innerhalb weniger Jahre wieder auf die ursprünglichen Zahlen einpendelt. Wir legen Ihnen in der Anlage eine Zusammenfassung der gegenwärtig besten Praktiken in Indien vor, die von der führenden indischen Tierschutzorganisation erstellt wurde.
2. Das Töten von Straßentieren spiegelt nicht das Tierschutzprinzip des Amsterdamer Abkommens (Protokoll 31) wider
Straßentiere sind Teil der europäischen Zivilisation. Daher ist das Töten dieser Tiere weder Tradition noch ein religöser Akt und auch nicht Teil eines kulturellen Erbes, wodurch der Schutz dieser Tiere in keinster Weise geschmälert bzw. beeinträchtigt werden kann.
Der Schutz der Tiere wird noch gestärkt durch den Gesetzentwurf des Abkommens von Lissabon, wo die Belange des Tierschutzes sogar im eigentlichen Text des Abkommens vertreten sind. Dies zeigt, dass der Tierschutz in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Ein weiterer Aspekt ist, dass die grausamen Tötungsmethoden oftmals auf der Straße ausgeübt werden und den Kindern eines Landes, aber auch der gesamten Öffentlichkeit ein schlechtes Beispiel geben und eine auf ethischen Werten basierende Entwicklung dieser Gesellschaften verhindern. Grausame Handlungen als normales Verhalten darzustellen lässt eine Gesellschaft verrohen, so dass der eigentlich schockierende, grausame Tod von Tieren nicht mehr entsprechend wahrgenommen wird. Ein solches Verhalten steht in krassem Gegensatz zu unseren erzieherischen Aufgaben, die auch die schulische Lehre von Respekt und Verantwortung gegenüber den Tieren als fühlenden Mitgeschöpfen beinhalten.
3. Wir brauchen eine europaweite, gesetzlich vorgeschriebene Registrierung von Haus- und Straßentieren
Um eine Kultur des Verantwortungsbewusstseins von Menschen gegenüber ihren Tieren zu etablieren denn dies ist die ethische Folge der grundlegenden Richtlinie dieses Abkommens muss dieses Verantwortungsbewusstsein per Gesetz gestärkt und so peinlich genau wie möglich realisiert werden. Dies könnte auch die Kontrolle von Tieren, die einen räumlichen Wechsel erfahren, eine Kontrolle des illegalen Welpenhandels, die Kontrolle von Krankheiten und auch die Erfassung relevanter Daten zur Entwicklung der Straßentierpopulation umfassen.
4. Wir brauchen eine Informations- und Kommunikationsstrategie für die europäischen Bürger in den entsprechenden Mitgliedsstaaten
Da einige der alten Mitgliedsstaaten (im südlichen Teil Europas) und nahezu alle neuen Mitgliedsstaaten (im östlichen Teil Europas) nicht über entsprechende Traditionen und darüber hinaus auch über keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet des Tierschutzes verfügen, muss die Bevölkerung in diesen Ländern entsprechend geschult und informiert werden, wobei dies bereits im Kindesalter in den Schulen praktiziert werden sollte. Auch die breite Öffentlichkeit muss entsprechend aufgeklärt werden. Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch die Straßentiere unseren Respekt verdienen und Teil unserer Gesellschaft sind.
Auf politischer und fachlicher Ebene müssen entsprechende Zielgruppen wie Tierärzte, Juristen und Verwaltungsangestellte ebenfalls entsprechend ausgebildet und geschult werden. In diesem Zusammenhang hoffen wir auf das zukünftige europäische Tierschutzzentrum (European Animal Welfare Centrer), das im Community Animal Welfare Action Plan erwähnt wird. Dort werden wir bald damit beginnen, eine Datenbank mit grundlegenden Informationen zu den Straßentieren einzurichten.
5. Wir brauchen eine europaweite, systematische Geburtenkontrolle sowie ein Impfprogramm in den entsprechenden europäischen Mitgliedsstaaten
Ein Schwerpunkt liegt auf den Mitgliedsstaaten und Ländern, in denen die Regierungen und Gemeinden weder über ausreichende finanzielle Mittel noch über entsprechende personelle Kapazitäten verfügen, um solche Programme umzusetzen. Hier bedarf es als Investition in professionelle Lösungen entsprechender Schulungen und unterstützender finanzieller Maßnahmen.
Was unsere Organisationen bislang geleistet haben
Bis zum heutigen Tage haben unsere Organisationen zahlreiche Projekte sowohl finanziell als auch beratend unterstützt. Darüber hinaus haben hunderttausende nicht organisationsgebundene Privatleute in den entsprechenden Ländern enorme Geldsummen investiert, um dem unnötigen Leiden der Straßentiere ein Ende zu setzen. All diese Projekte erbrachten in einigen Regionen und Städten bereits positive Ergebnisse, unter anderem auch durch Hilfestellung bei der gesetzlichen Umsetzung, so beispielsweise in einigen Mitgliedsstaaten wie Rumänien und Bulgarien.
Solange die Europäische Union jedoch nicht sachverständig und zuständig handelt, sind all diesen Bemühungen Grenzen gesetzt. Die hohe Zahl von Straßentieren verlangt nach einer eindeutigen, systematischen und flächendeckenden Kontrolle.
In diesen Ländern ist politische Unterstützung vonnöten. Finanzielle Zuwendungen müssen effektiv erfolgen, ihre Verwendung überwacht und professionell kontrolliert werden. In einigen Regionen möchten Tierärzte und Bürgermeister aktiv werden und Gelder investieren, haben aber keinerlei Budget für derartige Aktivitäten.
Solange sich die Europäische Union als weder rechtlich noch fachlich zuständig erweist und keinerlei rechtsstaatliche Sanktionen verhängt, werden die verantwortlichen Politiker nicht einmal die bereits bestehenden Gesetze achten und sicherlich keinerlei Gelder für die Straßentiere ausgeben. Sie werden weiterhin mit den bereits zuvor beschriebenen, barbarischen Methoden töten.
Und dies wird von den Bürgern nicht länger hingenommen. Die Menschen sind über diese Zustände und das herrschende Klima zutiefst unglücklich, und sie fordern einen Wandel. Es gilt, systematische Lösungen zu erarbeiten, die europaweit sowohl politisch als auch rechtlich gemäß europäischer Standards umgesetzt werden müssen, und zwar beginnend in den Regionen, in denen die Zustände am schlimmsten sind.
Solange es diese Einschränkungen sowohl in Bezug auf wirtschaftliche und personelle Kapazitäten als auch in Bezug auf den politischen Willen bestimmter Personen gibt, solange wird sich selbst mit Hilfe der Unterstützung hunderttausender einzelner Lösungsansätze und Projekte keine nachhaltig greifende Lösung erarbeiten lassen, um dem Leiden all dieser Tiere in Europa ein Ende zu setzen.
Wir bieten der Europäischen Union eine Zusammenarbeit an
Wir als partnerschaftlich miteinander verbundene Tierschutzorganisationen können die Mitgliedsstaaten weiterhin dabei unterstützen, die bestehenden Probleme durch bewährte Projekte, Maßnahmen zur Geburtenkontrolle, Impfprogramme sowie entsprechender Aus- und Fortbildung zu lösen sowie in beratenden Funktion zur Verfügung stehen. Aber: Die Europäische Union muss ihre rechtliche Kompetenz zeigen und europäische Trainingsprogramme (wie z.B. die TAIEX-Programme) besonders in den Mitgliedsstaaten unterstützen, in denen entsprechende Mittel fehlen.
Wir haben verschiedene Tätigkeiten angefangen, und wir möchten auch die europäischen in jedem Fall, täglichen Tätigkeiten unterstützen.
Schließlich danken wir für Ihre offene gesonnene Einstellung Ihnen und hoffen, dass wir diesen Dialog entweder persönlich oder im Fachkreis des Beirates der Tiergesundheitsstrategie fortsetzen können.
Mit herzlichen Grüßen
Anmerkung Admin:
Diese Resolution können Sie hier als PDF (DE) und hier als PDF (en) downloaden.


Samstag, 25. April 2009 22:53
Aktuell haben 219 EU-Abgeordnete die schriftliche Erklärung zum Wohlergehen von Haustieren und streunenden Tieren Verfasser(in) : Alain Hutchinson, David Hammerstein, Neil Parish unterzeichnet. Fristablauf: 07.05.2009.
Es ist demnach noch viel Üœberzeugungsarbeit zu leisten. Wir düfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, die Abgeordneten zu bitten, die Erklärung zu unterzeichnen!
In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal daran erinnern, dass die Petition noch bis zum 30.April 2009 läuft.
Also, alle die sich noch nicht dazu entschließen konnten, bitte ich, sie zu unterzeichnen.
Samstag, 25. April 2009 23:54
pro iure animlis schreibt über “Ethik und Tiere” – unser Umgang mit Tieren- sechs moralische Grundsätze:
Auszug:
1.Grundsatz:
Eine moralische Weiterentwicklung des Menschen bedeutet, das Leid aller Lebewesen und nicht nur das der Menschheit, zu mildern. [...]
2.Grundsatz:
Es existieren zahllose, unabhängige Lebensformen am Baum der Evolution, die alle mit dem gleichen Lebensrecht und Lebenswillen von der Natur ausgestattet wurden. [...]
3.Grundsatz:
Wir sind nicht berechtigt, die individuellen Interessen von Tieren nur deshalb abzulehnen, weil sie einer anderen biologischen Gattung, einer anderen Lebensform angehören. [...]
4.Grundsatz:
Von allen Lebewesen hat allein der Mensch die moralische Wahlmöglichkeit, den unendlichen Kreislauf von “Fressen” und “Gefressenwerden” zu durchbrechen. [...]
5.Grundsatz:
Es kommt bei der Betrachtung der Fähigkeiten einen Lebewesens nicht darauf an, ob Tiere die gleiche Intelligenz des Menschen haben, sondern einzig, ob sie die gleiche Leidensfähigkeit haben.
So wie dem Menschen eine Würde zugesprochen wird, hat auch jedes Tier seine Würde. [...]
6.Grundsatz:
Liebe und Mitgefühl bringt der moralische Mensch allen Lebewesen entgegen und nicht nur seinem Mitmenschen. Behandle jedes Tier mit der gleichen Achtung, die Du auch den Menschen entgegen bringst. [...]
HABE EHRFURCHT VOR JEDEM LEBEN!